Die Geschichte von der Geburt Jesu ist für viele eigentlich nur Weihnachten zu verkraften. Nur dann kommt die dafür nötige Stimmung auf. Übrigens fällt es den meisten Menschen schwer, im Kind in »Bethlehems Stall« den Sohn Gottes zu sehen.
Folgendes hilft vielleicht weiter. Schulhof-Situation: »Wie groß ist denn dein Bruder?«, wird ein kleines Kind gefragt. »Das weiß ich nicht«, ist die verlegene Antwort. »Das musst du doch wissen«, sagen die klugen Großen, »wenn du mit ihm sprichst, musst du jedenfalls zu ihm aufblicken.« Da weiß das vorhin verlegene Kind eine schnelle Antwort: »Wenn ich mit meinem großen Bruder spreche, dann bückt er sich zu mir herunter.«
Könnte sich Gott noch tiefer zu uns herabneigen als im Kind in der Krippe, damit wir sein Liebeswerben verstehen? Wie der große Bruder, so neigt sich Gott auch zu Ihnen und zu mir herunter! Gott machte sich deshalb so gering und klein, weil wir Menschen so gering und klein sind. Bei den Menschen, die zu erretten er gekommen war, fand er aber nicht einmal in dieser Gestalt einen Raum. Nur eine Krippe war für ihn da; den Stall hat fromme Phantasie später dazugemacht, als man nicht mehr glauben mochte, dass wir Mensch so schlecht waren, Gott draußen vor der Tür liegen zu lassen. Wie barmherzig ist er doch. Ja, Gott trumpfte nicht auf mit Macht und Stärke, mit Autorität und königlicher Gewalt, als er diese Erde betrat und Mensch wurde wie wir. Er lockte mit freundlichen Worten, wählte den untersten Weg, um bis zu uns zu gelangen. Das kann nur die Liebe tun.
Schon wieder arbeiten
Das Wochenende war herrlich! Mal nicht an den Beruf und die Arbeit denken. Aber der Sonntagabend brachte schon die erste Unruhe. Was muss ich morgen als Erstes tun? Jetzt der Wochenbeginn. Wenn ich nur daran denke, wie ich das nächste Problem lösen soll! Manchmal muss ich unangenehme Standpunkte im Interesse meines Arbeitgebers vertreten und dem Kunden begreiflich machen. Das ausgerechnet am Montag, wo sowieso die meisten Menschen schlechte Laune haben und für meine Probleme nicht ansprechbar sind.
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Bibel. Ich brauche sie morgens, um ein Stück darin zu lesen. Ich schlage sie auf und mir fällt der Vers weiter unten auf, den ich rot angestrichen habe. Komisch! Arbeiten von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen! Wie kann man das? Kann das, was ich beruflich mache, auch Arbeit für Gott sein? Wie sollte es? Mir wird klar, dass alles, was wir Menschen tun, vor Gott getan wird. Er sieht es, kennt mich, nimmt auch meine geheimsten Gedanken am Montagmorgen wahr, meine Unlust, meine Gefühle, meine Ängste. Warum frage ich ihn nicht? Einen Augenblick werde ich still und bitte ihn: »Herr, hilf mir! Zeige mir, wie ich die geschäftlichen Probleme angehen soll. Vor allen Dingen gib mir Mut, meine Arbeit zu tun.«
Dabei wird mir klar, dass selbst mein Beruf, mein Geldverdienen-müssen, um zu leben, Arbeit für den Herrn sein soll, Arbeit von Herzen nicht für Menschen, sondern dem Herrn Jesus wohlgefällig. Ein ganz neuer Gesichtspunkt. Hier liegt für mich die Herausforderung am Montagmorgen!
Erziehen – kann ich das?
Kleine Kinder – kleine Sorgen; meine Kinder sind nicht mehr klein. Ich kann sie nicht abschirmen von den Einflüssen von außen. Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke: Da gab es noch Tabus. Über sexuelle Dinge redete man nicht, solch freizügige Schulbücher wie heute gab es nicht, kein Fernseher lieferte das Rotlichtmilieu frei Haus und damit Gesprächsstoff mit den Klassenkameraden beiderlei Geschlechts, versteht sich! Und auch die Sinnentleerung, die in dem Jargon »Null Bock« zum Ausdruck kommt, war unbekannt. Es ist schon manchmal zum Verzweifeln mit der Erziehung! Wie ist das zu schaffen, wenn die Bibel davon redet, dass wir Eltern unsere Kinder nicht zum Zorn reizen sollen? Auch sollen wir sie nicht ärgern, »damit sie nicht mutlos werden« (Kolosser 3,21). Dann empfinde ich, dass ich eher selbst viel Grund zum Zorn, wenn nicht gar zur Mutlosigkeit habe, weil meine gut gemeinten Erziehungsmaßnahmen oftmals ins Leere stoßen.
Müsste man nicht Gehorsam erzwingen? Ist es nicht unsere Pflicht, die Kinder vor Schaden zu bewahren, den diese selbst noch nicht erkennen? Wo liegt die Grenze zum Zorn und zur Mutlosigkeit unserer Kinder? Ganz gewiss da, wo wir zu Heuchlern werden und selbst die Gebote Gottes übertreten. Als Menschen in der Nachfolge Jesu haben wir einen Herrn, der unser Bemühen versteht, der unser Herz sieht und dem wir vertrauen können. Der »nachhilft«, wo wir am Ende sind. Überspitzt könnte man sagen: Wohl uns, wenn wir dieser Herausforderung der Erziehung nicht gewachsen sind und an die Quelle der Hilfe und der Kraft gehen. Jesus wartet auf unsere Bitte um Hilfe.
Nur Zuschauer?
Wir sind Zuschauer geworden. Wir sind es gewohnt, vom Sessel aus das Leben anderer zu beobachten. Wirkliche Begegnungen mit Menschen sind vielfach ersetzt worden durch Scheinbegegnungen mit Schauspielern im Fernsehen oder mit Stars und Influencern in den sozialen Netzwerken – Leben aus zweiter Hand. Diese Haltung, die durch die modernen Medien stark geprägt wurde, wirkt sich immer stärker auch in anderen Lebensbereichen aus. Der amerikanische Soziologe Richard Sennet schrieb einmal: »Das öffentliche Leben wurde zu einer Sache des Beobachtens … Man ist offen für alles … vorausgesetzt man braucht nicht Teilnehmer zu werden, wird nicht in eine Angelegenheit verstrickt.« Dies geht bis in den Glaubensbereich hinein. Viele Menschen sind offen für Jesus. Man informiert sich gerne darüber. Man hört Predigten und diskutiert darüber. Aber nur mit einem gewissen Abstand. Man lässt Jesus nicht wirklich an sich heran.
So ging es auch Zachäus. Er war an Jesus interessiert. Er hatte sich einen Platz gesucht, von dem aus er in einem sicherem Abstand Jesus betrachten konnte. Aber – Jesus lässt ihn nicht. Er sieht den distanzierten Beobachter und holt ihn von seinem Baum herunter. Und genauso wie er zu Zachäus sagte: »Ich muss heute in deinem Haus sein«, so sagt er uns: »Ich will heute in dein >Lebenshaus< eintreten. In jeden Raum. Da gibt es nichts in deinem Leben, was nichts mit mir zu tun hat.« Jesus lässt uns nicht Zuschauer sein. Er holt uns aus dem Sessel mitten ins Geschehen. »Steig eilends herab!«
Erziehung – lasse ich mich erziehen?
Wilhelm Busch sagt scherzhaft: »Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.« Vater sein, verantwortungsvoller Vater, das heißt doch, dass ich das mir anvertraute Kind lehre, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Wenn wir das Wort »Verantwortung« hören, erkennen wir gleich, dass wir Gott Rechenschaft darüber werden geben müssen, wie wir unsere Verantwortung wahrgenommen haben.
Und da haben wir zunächst unser eigenes Handeln im Lichte Gottes zu betrachten. Paulus schreibt, dass »jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben wird« (Römer 14,12). Das zeigt mir die Bedeutung meiner eigenen Lebensgestaltung auf. Lebe ich in der Freude darüber, dass Gottes Augen über mir wachen und dass ich seine guten Richtlinien für mein Leben kennen darf? Ist sein Wort mein Maßstab, mein Haltegriff, meine Freude? Gilt auch für mich: »Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht« (Psalm 119,162)?
Wenn ich auf all diese Fragen mit »nein« antworten müsste, dann wäre die dadurch hervorgerufene Beschämung eine Erziehungsmaßnahme meines himmlischen Vaters, aus der ich Heil bringende Konsequenzen ziehen sollte; wenn ich freudig mit »ja« antworten kann, so gibt es auch Freude im Weitergeben. Was ich selbst als wertvoll erkenne und was mein Leben reich macht, das will ich auch meinem Kind nahebringen. Gott erzieht mich, er will mich beschenken und glücklich machen. Und das will ich auch: mein Kind glücklich machen. Dann wird mir bewusst, dass es eine Wechselwirkung gibt: Je mehr ich mich von dem weisen Gott erziehen lasse, umso fähiger werde ich, mein Kind zu erziehen.
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